Schulgründungsworkshop

Am Samstag, den 9.11. 2013 war es endlich soweit. Monika Wernz von der Schulgründunginitiative Sudbury München kam zu uns, um uns von ihren Erfahrungen während des Gründungsprozesses zu berichten, uns auf mögliche Stolperfallen hinzuweisen und uns von ihren Besuchen an Sudbury Schools weltweit zu erzählen. Wir waren alle sehr begeistert. Natürlich hatten wir tausend Fragen (ja, es waren einige!) und wir erhielten aufschlussreiche Antworten. Wie erwartet stießen wir während des Coachings auf Probleme und Gesichtspunkte, die wir vorher noch nicht bedacht hatten und über die im Laufe der nächsten Teamsitzungen gesprochen und abgestimmt werden muss: Verein oder GmbH? In welcher Art von Gebäude sehen wir unsere Schule eigentlich? Auf dem Land oder in der Stadt? Sind wir uns in allen Konzeptpunkten wirklich zu 100 % einig? Denn diese vollkommene Einigkeit – so betonte Frau Wernz – ist unabdingbar, um eine spätere Spaltung des Teams zu vermeiden. Wir wurden auch darauf hingewiesen, dass es zu einer Fluktuation im Team kommen kann. Das hoffen wir selbstverständlich nicht, sind aber darauf gefasst.

Wir erfuhren, welche Auflagen es in den einzelnen Bereichen (z.B. Gebäude, Finanzen, Genehmigung) gibt und an was gedacht werden muss. Sie gab uns wertvolle Tipps zur Vernetzung mit anderen Schulen und es wurde uns ans Herz gelegt, mit der EUDEC (http://www.eudec.org/) in Kontakt zu treten und Teil des Netzwerks freier demokratischer Bildung zu werden.

Wir konnten also zahlreiche Informationen sammeln. Jedoch wurde uns auch einmal mehr klar, dass der Weg nicht einfach werden wird und sehr viel Arbeit hinter einer Schulgründung steckt.

Unsere nächsten Schritte sollten nach diesem Workshop folgende sein:

Fertigstellen des Konzepts

Einen Namen für die Schule festlegen

Öffentlichkeitsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit

Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

Konzeptarbeit

Am Konzeptgerüst wurde also im Sommer 2013 nicht mehr viel gearbeitet. Anfang Oktober jedoch setzte sich das Team wieder zusammen. Nun wurde das Konzept Schritt für Schritt besprochen und es wurde vereinbart, in nächster Zeit daran weiter zu arbeiten. Das Dokument wurde online gestellt und jeder hatte von nun an Zugang und konnte das Skelett beliebig verändern und erweitern.

Hospitationen und Netzwerkarbeit

Dass wir das Rad nicht neu erfinden müssen und das auch gar nicht können, war uns natürlich von Anfang an klar. Und dass wir Einblicke in den Alltag anderer demokratischer Schulen brauchen, auch. Und so wurden zunächst Schulen aufgelistet, die von einzelnen Teammitgliedern besucht werden können, zunächst aufgrund der Entfernung speziell in Berlin. Die Besucherkomitees der einzelnen Schulen reagiertenerfreulicherweise sehr freundlich und interessiert, gaben uns schnell eine positive Rückmeldung und grünes Licht für mögliche Hospitationen. Wir planten also Besuche in relevanten Schulen für das Schuljahr 2013 / 14 ein. Termine wurden jedoch zunächst noch nicht vereinbart.

Besonders freundlich antwortete Monika Wernz von der Sudbury – Schulgründungsinitiative in München, die uns einen Schulgründungsworkshop anbot. Das war für uns natürlich optimal, da wir noch nicht so recht wussten, was alles auf uns zukommen würde. Der Kontakt fand Ende Juli 2013 statt. Den Sommer über passierte dann erstmal nicht mehr viel, da viele von uns nicht in der Stadt waren. Die nächsten Schritte sollten im frühen Herbst 2013 eingeleitet werden.

Die ersten Schritte

Im März 2013 waren wir uns einig: Wir gründen unsere eigene Schule. Einige von uns hatten bereits das Referendariat abgeschlossen und arbeiteten aushilfsweise in staatlichen Schulen. Hier wurde uns einmal mehr bewusst, dass sich etwas tun muss.

Sehr schnell fanden sich Interessenten in unserem Freundeskreis und auch drum herum. Ein Kern von etwa sechs Leuten (Lehrer, Erzieher, Heilpädagogen und Studenten) setzte sich zusammen, besprach die Idee der Schulgründung und setzte sich diese zum Ziel. Dass es eine freie demokratische Schule werden soll, stand von vornherein fest, da sich jeder am Projekt Interessierte voll und ganz mit diesem Konzept identifizieren konnte. Da sich einige mehr, andere weniger bereits mit der Thematik befasst hatte, wurde nun erstmal gelesen, recherchiert und nachgeforscht. Es wurden begeistert Konzepte und Homepages bereits bestehender demokratische Schulen durchforstet und eine Internetplattform eingerichtet, die uns zum Austausch dienen sollte, erste AGs gegründet.

Aber das war natürlich nur der Anfang. Bei den ersten Teamsitzungen gab es also erstmal nur Grundlegendes zu klären: Wer würde gerne in welchem Bereich mitarbeiten (z.B. Finanzen, Konzept, Inklusion usw.)? Wie stellen wir uns das Ganze vor? Ein Konzept musste also her.

Und so setzten sich zwei von uns an dem ein oder anderen Nachmittag zusammen und fingen an, das Skelett für unser Konzept zu erstellen. Nun hatten wir zumindest ein Gerüst, an dem sich die ganze Gruppe orientieren konnte. Änderungen, Ergänzungen und Streichungen standen und stehen selbstverständlich offen.

 

Jetzt geht’s los!

Es war irgendwann in den Jahren 2010 bis 2012. Einige von uns befanden sich zu der Zeit im Referendariat an unterschiedlichen Schulen in Bayern und ich glaube, wir waren uns in zwei Punkten einig:

Die Arbeit mit Kindern macht uns allen wahnsinnigen Spaß.

und

In dem System, in das nicht nur wir LehrerInnen, sondern auch die SchülerInnen gepfercht werden, möchte niemand von uns auf Dauer arbeiten.

Uns ist nicht nur daran gelegen, ausschließlich für uns eine Alternative zu finden, sondern zumindest zu einem kleinen Teil bei der schrittweisen Veränderung der Bildungslandschaft in Deutschland mitzuwirken. Gerade in Bayern ist das Angebot an offenen, freien, alternativen Schulen denkbar gering. So gibt es lediglich eine Handvoll Schulgründungsinitiativen in München und Franken, während Berlin mittlerweile mit fünf demokratischen Schulen aufwarten kann.

Dass demokratische Bildung funktioniert, zeigen uns Länder wie Amerika, Israel und England und viele andere (http://www.educationrevolution.org/blog/list-of-democratic-schools/), wo es bereits eine Vielzahl solcher Schulen gibt. Und natürlich auch deutsche Schulen wie die Kapriole Freiburg oder die Neue Schule Hamburg zeigen seit einigen Jahren, dass sie eine Berechtigung haben.

Es wird also Zeit, dass sich auch in Bayern etwas tut und das einheitliche Erscheinungsbild der derzeitigen Bildungslandschaft nach und nach aufbricht.