Weihnachten – Die Ruhe vor dem Konzeptsturm

Soooo… Jetzt ist erstmal Weihnachten und damit noch ein bisschen Ruhe, bevor am 30.12.2013 der große arbeitsreiche Konzepttag stattfindet, an dem wir bei einem ausgedehnten Frühstück unser Konzept grundlegend festsetzen und vervollständigen wollen. Wir werden noch einmal sämtliche Punkte durchgehen und uns hoffentlich in den meisten einigen können. Denn dann geht es richtig los: Vereinsgründung, Flyer / Broschüren, eine komplette Homepage, Eintrag bei EUDEC und, und, und.. Es geht am Jahresanfang also in erster Linie um Öffentlichkeitsarbeit. Mit der Namensfindung bei der letzten Sitzung ist damit zumindest schon einmal der Grundstein gelegt, denn ohne Namen keine Öffentlichkeitsarbeit, ohne Namen kein Netzwerken, selbst das Konzept kann ohne Namen nicht komplett fertiggestellt und zur Genehmigung eingereicht werden. Es kommt also einiges an Arbeit auf uns zu, aber wir freuen uns schon auf ein hoffentlich erfolgreiches Jahr 2014 mit hoffentlich weiteren wichtigen Schritten in Richtung unserer eigenen Schule und sind höchst gespannt, was sich alles tun wird. Dabei bauen wir natürlich weiterhin auf so viel Unterstützung, wie wir kriegen können und freuen uns immer über weitere Supporter. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und schon mal einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Unsere Schule bekommt einen Namen

Der Prozess der Namensfindung ist kein leichter, und so ging es beim letzten Treffen hauptsächlich um dieses schwierige Thema. Es war nicht einfach, hatten wir doch schon seit Monaten immer wieder hin und her überlegt, Ideen gesammelt und wieder verworfen und, und, und. Es sollte nun also ganz konkret um die Festsetzung eines Schulnamens gehen. Wir gingen auf die unterschiedlichsten Arten an die Sache heran. Zunächst machten wir eine Assoziationsrunde, bei der wir Schlagwörter sammelten, die jeder von uns mit unserem Projekt verbindet. Am häufigsten fielen „Freiheit, Vielfalt, Heterogenität, Gemeinschaft, Kreativität“, aber auch Begriffe wie „Neugierde, Zusammenhalt und Solidarität“ wurden in den Raum geworfen. Schön fanden wir auch die Idee, mit Symbolen zu arbeiten. Dabei dachten wir vor allem an Tiere wie den Fuchs, die Raupe oder den Schmetterling oder an das Baumhaus, die Insel, das Abenteuer. Nach einer Kernrunde stand fest, dass wir uns auf die drei Kernbegriffe „Vielfalt, Freiheit und Gemeinschaft“ spezialisieren wollen. Nun ging es aber erst los. Uns Worte aus einer anderen Sprache zu leihen, war unsere nächste Art der Herangehensweise. Und so kamen wir nach gefühlten fünfzig Tassen Tee und Kaffee auf „Utopia“ – „Utopia Regensburg – Eine Schule für alle“. Das klang gut, das klang genau nach dem, was wir mit unserer Schule verbanden. Interessehalber googelten wir „Utopia Regensburg“ und dann der Schreck: Es gibt in Regensburg tatsächlich ein Jugendzentrum mit dem schön klingenden Namen. Und zwei Einrichtungen in der selben Stadt mit dem selben Namen, das geht nun wirklich nicht. Also alles wieder auf Anfang. Nebenbei wurde in einem Fremdwörterbuch geblättert und siehe da – schon bald stießen wir auf zwei weitere zu uns passende Worte: „Potpourri“ und „Karfunkel“ – klang beides sehr kindgerecht, irgendwie verspielt und passte auch inhaltlich zu uns. Wir entschieden wir uns am Ende aber gegen Potpourri und einigten uns auf den schönen Begriff „Karfunkel“, ein veraltetes Wort für einen roten Granat oder Rubin. Die Bezeichnung „Karfunkel“ findet übrigens ihren Ursprung im Lateinischen „carbunculus“ und heißt so viel wie „ein kleines Stück rotglühender Kohle“. Denn das Licht dieser Steine, das innere Feuer,  übte damals wie heute auf viele Menschen eine große Faszination aus.

Der Name gefiel und gefällt. Und so heißt unsere Schule nun folgendermaßen: „Karfunkel Regensburg – Eine Schule für alle“.

Schulgründungsworkshop

Am Samstag, den 9.11. 2013 war es endlich soweit. Monika Wernz von der Schulgründunginitiative Sudbury München kam zu uns, um uns von ihren Erfahrungen während des Gründungsprozesses zu berichten, uns auf mögliche Stolperfallen hinzuweisen und uns von ihren Besuchen an Sudbury Schools weltweit zu erzählen. Wir waren alle sehr begeistert. Natürlich hatten wir tausend Fragen (ja, es waren einige!) und wir erhielten aufschlussreiche Antworten. Wie erwartet stießen wir während des Coachings auf Probleme und Gesichtspunkte, die wir vorher noch nicht bedacht hatten und über die im Laufe der nächsten Teamsitzungen gesprochen und abgestimmt werden muss: Verein oder GmbH? In welcher Art von Gebäude sehen wir unsere Schule eigentlich? Auf dem Land oder in der Stadt? Sind wir uns in allen Konzeptpunkten wirklich zu 100 % einig? Denn diese vollkommene Einigkeit – so betonte Frau Wernz – ist unabdingbar, um eine spätere Spaltung des Teams zu vermeiden. Wir wurden auch darauf hingewiesen, dass es zu einer Fluktuation im Team kommen kann. Das hoffen wir selbstverständlich nicht, sind aber darauf gefasst.

Wir erfuhren, welche Auflagen es in den einzelnen Bereichen (z.B. Gebäude, Finanzen, Genehmigung) gibt und an was gedacht werden muss. Sie gab uns wertvolle Tipps zur Vernetzung mit anderen Schulen und es wurde uns ans Herz gelegt, mit der EUDEC (http://www.eudec.org/) in Kontakt zu treten und Teil des Netzwerks freier demokratischer Bildung zu werden.

Wir konnten also zahlreiche Informationen sammeln. Jedoch wurde uns auch einmal mehr klar, dass der Weg nicht einfach werden wird und sehr viel Arbeit hinter einer Schulgründung steckt.

Unsere nächsten Schritte sollten nach diesem Workshop folgende sein:

Fertigstellen des Konzepts

Einen Namen für die Schule festlegen

Öffentlichkeitsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit

Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

Konzeptarbeit

Am Konzeptgerüst wurde also im Sommer 2013 nicht mehr viel gearbeitet. Anfang Oktober jedoch setzte sich das Team wieder zusammen. Nun wurde das Konzept Schritt für Schritt besprochen und es wurde vereinbart, in nächster Zeit daran weiter zu arbeiten. Das Dokument wurde online gestellt und jeder hatte von nun an Zugang und konnte das Skelett beliebig verändern und erweitern.

Hospitationen und Netzwerkarbeit

Dass wir das Rad nicht neu erfinden müssen und das auch gar nicht können, war uns natürlich von Anfang an klar. Und dass wir Einblicke in den Alltag anderer demokratischer Schulen brauchen, auch. Und so wurden zunächst Schulen aufgelistet, die von einzelnen Teammitgliedern besucht werden können, zunächst aufgrund der Entfernung speziell in Berlin. Die Besucherkomitees der einzelnen Schulen reagiertenerfreulicherweise sehr freundlich und interessiert, gaben uns schnell eine positive Rückmeldung und grünes Licht für mögliche Hospitationen. Wir planten also Besuche in relevanten Schulen für das Schuljahr 2013 / 14 ein. Termine wurden jedoch zunächst noch nicht vereinbart.

Besonders freundlich antwortete Monika Wernz von der Sudbury – Schulgründungsinitiative in München, die uns einen Schulgründungsworkshop anbot. Das war für uns natürlich optimal, da wir noch nicht so recht wussten, was alles auf uns zukommen würde. Der Kontakt fand Ende Juli 2013 statt. Den Sommer über passierte dann erstmal nicht mehr viel, da viele von uns nicht in der Stadt waren. Die nächsten Schritte sollten im frühen Herbst 2013 eingeleitet werden.

Die ersten Schritte

Im März 2013 waren wir uns einig: Wir gründen unsere eigene Schule. Einige von uns hatten bereits das Referendariat abgeschlossen und arbeiteten aushilfsweise in staatlichen Schulen. Hier wurde uns einmal mehr bewusst, dass sich etwas tun muss.

Sehr schnell fanden sich Interessenten in unserem Freundeskreis und auch drum herum. Ein Kern von etwa sechs Leuten (Lehrer, Erzieher, Heilpädagogen und Studenten) setzte sich zusammen, besprach die Idee der Schulgründung und setzte sich diese zum Ziel. Dass es eine freie demokratische Schule werden soll, stand von vornherein fest, da sich jeder am Projekt Interessierte voll und ganz mit diesem Konzept identifizieren konnte. Da sich einige mehr, andere weniger bereits mit der Thematik befasst hatte, wurde nun erstmal gelesen, recherchiert und nachgeforscht. Es wurden begeistert Konzepte und Homepages bereits bestehender demokratische Schulen durchforstet und eine Internetplattform eingerichtet, die uns zum Austausch dienen sollte, erste AGs gegründet.

Aber das war natürlich nur der Anfang. Bei den ersten Teamsitzungen gab es also erstmal nur Grundlegendes zu klären: Wer würde gerne in welchem Bereich mitarbeiten (z.B. Finanzen, Konzept, Inklusion usw.)? Wie stellen wir uns das Ganze vor? Ein Konzept musste also her.

Und so setzten sich zwei von uns an dem ein oder anderen Nachmittag zusammen und fingen an, das Skelett für unser Konzept zu erstellen. Nun hatten wir zumindest ein Gerüst, an dem sich die ganze Gruppe orientieren konnte. Änderungen, Ergänzungen und Streichungen standen und stehen selbstverständlich offen.

 

Jetzt geht’s los!

Es war irgendwann in den Jahren 2010 bis 2012. Einige von uns befanden sich zu der Zeit im Referendariat an unterschiedlichen Schulen in Bayern und ich glaube, wir waren uns in zwei Punkten einig:

Die Arbeit mit Kindern macht uns allen wahnsinnigen Spaß.

und

In dem System, in das nicht nur wir LehrerInnen, sondern auch die SchülerInnen gepfercht werden, möchte niemand von uns auf Dauer arbeiten.

Uns ist nicht nur daran gelegen, ausschließlich für uns eine Alternative zu finden, sondern zumindest zu einem kleinen Teil bei der schrittweisen Veränderung der Bildungslandschaft in Deutschland mitzuwirken. Gerade in Bayern ist das Angebot an offenen, freien, alternativen Schulen denkbar gering. So gibt es lediglich eine Handvoll Schulgründungsinitiativen in München und Franken, während Berlin mittlerweile mit fünf demokratischen Schulen aufwarten kann.

Dass demokratische Bildung funktioniert, zeigen uns Länder wie Amerika, Israel und England und viele andere (http://www.educationrevolution.org/blog/list-of-democratic-schools/), wo es bereits eine Vielzahl solcher Schulen gibt. Und natürlich auch deutsche Schulen wie die Kapriole Freiburg oder die Neue Schule Hamburg zeigen seit einigen Jahren, dass sie eine Berechtigung haben.

Es wird also Zeit, dass sich auch in Bayern etwas tut und das einheitliche Erscheinungsbild der derzeitigen Bildungslandschaft nach und nach aufbricht.